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Stellungnahme des Fanprojektes
Tuesday, 30. September 2008

 Stellungnahme des Fanprojektes Braunschweig vom 11.08.2008 zu unserem offenen Brief, wegen der Teilnahme der extrem rechten Hooligantruppe "Fette Schweine / Hungerhaken:

 

Liebe Freunde und Freundinnen von der Antifa,

 

zunächst sind wir dankbar für Euren Hinweis. Wir sind auf Zusammenarbeit mit anderen Organisationen angewiesen, da wir mit 1,5 Planstellen wahrlich nicht alles überblicken können, was rund um das Stadion und die verschiedenen Fußballszenen abläuft. So arbeiten wir auch eng mit der ARuG zusammen.

 

Nur eine Bitte, sprecht uns doch lieber erst mal persönlich an, oder nennt uns einen Ansprechpartner. Für die Zukunft würden wir uns wünschen, dass ihr uns Gruppierungen von denen ihr genauere Erkenntnisse habt nennt und wir tatsächlich zu einer engen Zusammenarbeit kommen.

 

Damit kommen wir zu besagtem Hacky Meier Gedächtnisturnier und Euren ersten beiden Fragen: Tatsächlich ist uns bekannt, dass auch in Ultra-Gruppierungen immer wieder NPD-Kader eine Rolle spielen. So hatten ‚UB ´01’ eine Zeit lang NPD-Führungskader in ihren Reihen. Nun ist es so, dass ‚Fette Schweine’, die sich ebenfalls auch aus dem Ultra-Umfeld rekrutieren, wobei dieses Mal nicht UB `01 betroffen ist, das Problem darstellen. Dass es extreme Rechte in den Reihen dort gibt, war uns selbstverständlich immer klar, auch vor Eurem Schreiben. Die weitere organisatorische Verstrickung dieser Leute außerhalb der fußballerischen Zusammenhänge zu beobachten, geht jedoch über das Leistbare der 1 ½ Mitarbeiter hinaus. Umso positiver sehen wir hier Eure Meldung, Eure Information ist wertvoll für uns! Wir sind an dieser Stelle sehr offen für Euren Input.

 

Am Tag des Turniers stürmte und regnete es immer wieder, so dass wir mit der Durchführung des Turniers sehr beschäftigt waren. Das beim Abschlussphoto jemand eine Thor Steinar Jacke trug, ist uns einfach durchgerutscht. Diese Jacke ist wohl auch erstmalig zu diesem Photo aufgetaucht.

 

Wir hätten ansonsten selbstverständlich interveniert. Gemacht und ins Netz gestellt wurde das Photo von einem Ehrenamtlichen, wir müssen zugeben, dass wir dies dann immer noch nicht bemerkt haben, wohl auch, weil wir nicht mehr Korrektur gelesen haben. Seid versichert, dass so etwas in Zukunft nicht noch einmal vorkommt.

Andererseits braucht man für Prävention den Kontakt, auch wenn das für uns persönlich ein erhebliches Problem darstellt. Wenn wir Gruppen wie den ‚Fetten Schweinen’ aber von vorne herein Hürden aufbauen, die sie nie überspringen werden, bekommt man keinen Kontakt. Das heißt konkret, wir werden nicht den Weg gehen und im Vorhinein Verbote aussprechen, sondern vor Ort, wenn nötig. Leider birgt dies das Risiko, dass etwas durchrutscht, wie geschehen.

 

Wir müssen uns, das ist unser Auftrag, präventiv um Fans bemühen, die sich noch nicht einer bestimmten Gruppierung zugeordnet haben, aber bestimmten Einflüssen ausgesetzt sind. Das kann aus taktischen Gründen dazu führen, dass bereits auffällige Gruppierungen auch bei Fanturnieren zugegen sind. So bleibt die Gesamtszene einigermaßen steuerungsfähig und negative Strömungen können erkannt werden.

Bereits positionierte Gruppierungen zu bearbeiten gehört nicht zum Auftrag des Fanprojektes, das wären z.B. beim Thema Rechtsradikalismus die Antifa, die ARuG, oder das Bundeskriminalamt.

 

Zur dritten Frage:

 

Wir wurden nach einer rechten Szene im Eintracht-Stadion gefragt. Wir haben diese Frage aus gutem Grund verneint. Richtig ist, dass der Stadionbesucher in Braunschweig, im Gegensatz bspw. zu anderen Vereinen, einen Querschnitt durch die Gesellschaft darstellt. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass, wie bei beinahe jedem Großverein, auch die extreme Rechte auf den Rängen zu finden ist. Das ist unter den Fans zu beobachten, aber auch auf der Haupttribüne und im VIP-Zelt.

 

Mit Sicherheit ist es auch richtig, dass es Fanclubs gibt, in denen rechtes Gedankengut vorherrscht. Klar ist aber, dass momentan keine gezielten Bemühungen der extremen Rechten zu verzeichnen sind, die auf eine breite Akquirierung oder gar Organisierung schließen lassen. Somit muss man der Fairness halber feststellen, dass zwar weiterhin Fußballfans für die Rechte tendenziell eine Zielgruppe darstellen, aber sich im Eintracht-Stadion eher Einzelpersonen der Rechten bewegen. Von einer echten, breiten Organisierung kann aber keine Rede sein. Von daher ist diese Aussage bis auf weiteres absolut richtig und wahrheitsgemäß.

 

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir [...] einen gemeinsamen Termin für ein Treffen finden könnten, um Euch einmal die Gegebenheiten rund um die Fußballszene näherzubringen.

 

 

Mit freundlichen Grüßen
Karsten König Leiter Fanprojekt


 
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